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SSD-Tausch schlägt fehl: Wenn die Klon-Software die Startpartition zerstört (Inaccessible Boot Device)

Ein Kunde hatte ein einfaches Problem: seine alte SSD mit 120 GB war ständig voll. Die Lösung klang unspektakulär – eine neue, größere SSD kaufen, die alte Platte 1:1 auf die neue kopieren, austauschen, fertig. Genau so ein Auftrag ist in ein paar Stunden erledigt. Diesmal wurde daraus eine Nacht bis drei Uhr morgens.

Der Plan: Ein simpler Festplattentausch

Der Rechner war ein älterer Business-PC mit Windows 10, die Ausgangslage klar: eine neue 1-TB-SSD, dazu die kostenlose Klon-Software des SSD-Herstellers, die eigentlich genau für diesen Zweck gedacht ist. Alte Platte als Quelle, neue SSD per USB-Adapter als Ziel, Klonvorgang starten, Platten tauschen, fertig. Die Software meldete am Ende auch ganz normal „erfolgreich abgeschlossen".

Nach dem Einbau der neuen SSD kam allerdings zunächst gar kein Bild – und kurz darauf, beim nächsten Versuch, die Meldung „Inaccessible Boot Device". Windows hatte die neue Platte zwar gefunden, konnte aber nicht mehr von ihr starten.

Die Fehlersuche führt tiefer als erwartet

„Inaccessible Boot Device" bedeutet: Der Bootmanager hat Windows gefunden und beginnt zu laden, scheitert dann aber daran, auf das eigentliche Startlaufwerk zuzugreifen. Die üblichen Verdächtigen dafür sind falsche SATA-Treibereinstellungen im BIOS oder ein Datenträger-Controller, für den der passende Treiber beim Systemstart fehlt.

Also der Reihe nach: AHCI-Modus im BIOS geprüft, Energiesparfunktionen der SSD testweise deaktiviert, über die Windows-Reparaturkonsole die relevanten Treiber für den Systemstart erzwungen. Keiner dieser Schritte half. Der eigentliche Fehler saß tiefer – in der Partitionsstruktur selbst.

Beim Versuch, die Startpartition mit Bordmitteln (bootrec, bcdboot) zu reparieren, kam eine Meldung, die den eigentlichen Übeltäter entlarvte: Die kleine Partition, die normalerweise die Startdateien enthält, war nicht mehr als „System"-Partition erkennbar, sondern als „Wiederherstellung" – und Windows verweigert bei diesem Partitionstyp bewusst den direkten Zugriff, selbst für Reparaturbefehle. Die Klon-Software hatte beim automatischen Vergrößern der Partitionen offenbar genau diese kleine, aber kritische Startpartition beschädigt.

Die Rettung: Neu klonen, aber ohne Vergrößern

Die Lösung war am Ende, den kompletten Klonvorgang zu wiederholen – diesmal mit Clonezilla, einer kostenlosen Open-Source-Software, und mit einer bewussten Entscheidung: keine automatische Größenanpassung der Partitionen während des Klonens. Stattdessen wurde die alte Platte exakt 1:1 kopiert, inklusive der ursprünglichen, kleineren Partitionsgrößen. Genau dieser Schritt – Vergrößern während des Kopierens – war offenbar der Auslöser für die beschädigte Startpartition gewesen.

Mit dieser sauberen Kopie bootete der PC wieder normal. Den zusätzlichen Speicherplatz der neuen SSD hat sich Windows danach ganz regulär über die Datenträgerverwaltung geholt – ein Vorgang, der ein bereits laufendes System nicht mehr gefährdet, weil dabei keine kritischen Startdateien mehr angefasst werden.

Ein letzter Stolperstein

Selbst danach gab es noch eine Überraschung: Windows ließ sich nicht direkt erweitern, obwohl reichlich freier Speicher vorhanden war. Der Grund: Zwischen der Windows-Partition und dem freien Speicher lag noch eine kleine Wiederherstellungspartition von Windows selbst (zuständig für Funktionen wie „Diese PC zurücksetzen"). Windows kann eine Partition nur in unmittelbar angrenzenden freien Speicher hinein vergrößern – lag noch eine weitere Partition dazwischen, blockiert das den ganzen Vorgang. Diese kleine Partition musste erst entfernt werden, bevor sich der Speicherplatz der neuen SSD vollständig nutzen ließ.

Was du aus dieser Geschichte mitnehmen kannst

Klonen und Vergrößern getrennt angehen

Wer selbst eine SSD klont: Erst eine exakte 1:1-Kopie ohne Größenänderung anlegen, prüfen ob der PC damit bootet – und erst danach die Partition im laufenden Windows über die Datenträgerverwaltung erweitern. Das trennt zwei riskante Schritte, die sonst in einem Rutsch passieren und bei einem Fehler viel schwerer zu diagnostizieren sind.

Die alte Platte nicht sofort entsorgen

Solange die alte Platte unangetastet beiseitegelegt wird, bleibt sie ein Sicherheitsnetz. Erst wenn die neue SSD nachweislich zuverlässig läuft, sollte die alte Platte gelöscht oder weiterverwendet werden.

Herstellersoftware ist kein Garant

Auch offizielle, kostenlose Klon-Software von SSD-Herstellern ist nicht unfehlbar – gerade bei älteren Mainboards mit Legacy-BIOS und älteren Partitionsstrukturen kann es zu genau solchen Problemen kommen. Ein Open-Source-Tool wie Clonezilla, das Partitionen strukturgetreu statt automatisch angepasst kopiert, ist dann oft die zuverlässigere Wahl – oder zumindest ein guter Rückfallplan.

Ein Wort zu den SSD-Preisen

Am Rande noch ein Hinweis, der aktuell viele überrascht: SSD-Speicher ist 2026 durch die weltweite Nachfrage der KI-Rechenzentren nach Speicherchips deutlich teurer geworden – die Preise für NAND-Flash-Speicher sind seit Herbst 2025 um über 100 Prozent gestiegen. Wer aktuell eine SSD kauft, zahlt spürbar mehr als noch vor einem Jahr. Das ist keine Preistreiberei einzelner Händler, sondern eine echte, weltweite Marktlage.

Diese Schritte basieren auf dokumentierten Berichten und offiziellen Quellen. Sie können helfen – müssen es aber nicht. Jedes System ist anders, und manchmal steckt noch ein zweites Problem dahinter. Falls es bei dir nicht klappt, meld dich einfach – ich schaue dann weiter.

Quellen
  1. Speicherkrise: Flash-Speicher für 2026 ist schon fast ausverkauft heise.de
  2. Speicherkrise trifft PC-Bauer: SSD-Preise explodieren durch KI-Boom borncity.com

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